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Historische Hintergründe
Die Weimarer Himmelsburg
Die gespielte Musik war Teil eines Aufstiegskonzeptes zwischen Erde und Himmel. Der Name „Weg zur Himmelsburg“ war damit sowohl architektonisch als auch akustisch zu verstehen. (1)
Akustik als Spiegelbild der Architektur
Die außergewöhnliche Architektur der Schlosskapelle beeinflusste maßgeblich den Raumklang. Mit ihrer akustischen Qualität hatte sie gleichermaßen erheblichen Einfluss auf das musikalische Schaffen Johann Sebastian Bachs. Der begnadete Komponist wurde 1714 in Weimar zum Konzertmeister ernannt und damit verpflichtet, alle vier Wochen eine Kirchenkantate auf den jeweiligen Sonntag zu komponieren. (2)
Schlosskapelle um 1660 mit Visualisierung ©Abbildung: Christian Richter, Foto: Anne Levin, Klassik Stiftung Weimar
Für den ungewöhnlichen Kirchenraum mit einer quasi unsichtbaren Orgelempore schrieb Bach sämtliche Kantaten seiner Weimarer Zeit. (3) Als erste erklang die Kantate „Himmelskönig, sei willkommen“ (BWV 182). Sie wurde am Palmsonntag, 25. März 1714 in der Weimarer Schlosskapelle uraufgeführt. (4) Kompositionsaufbau sowie Tonsprache dieser Kantaten können erst in Kombination mit dem Raumerlebnis umfassend verstanden werden. (5) Allerdings bleibt anzumerken, dass zum heutigen Zeitpunkt nur Mutmaßungen zum Aussehen der Himmelsburg getroffen werden können. Nur anhand weniger Gemälde, historischer Grundrisse und Vergleichsobjekte aus identischer Zeit lässt sich das Erscheinungsbild der Schlosskapelle im Ansatz rekonstruieren.
Wissenschaftliche Fakten
Die Geschichte des Weimarer Stadtschlosses
Bei einem verheerenden Brand im Jahr 1774 wurde das Schloss mitsamt Kapelle vernichtet. Erhalten blieben einzig die Umfassungsmauern und historische Bauzeichnungen. (6) 15 Jahre später begann der Wiederaufbau.
Die Himmelsburg nach dem Brand von 1774. ©Klassik Stiftung Weimar
Die gesamte bewegte Vergangenheit des Schlosses kann man hier auf den Seiten der Klassik Stiftung Weimar lesen.
Gegenwärtig wird das Schloss saniert und den Besucherinnen und Besuchern schrittweise wieder zugänglich gemacht. Bis zur geplanten Fertigstellung vor 2030 wird es nicht nur eine völlig neu konzipierte Ausstellung geben, die bisher für die Öffentlichkeit unzugängliche Raumfolgen einbezieht. Als neue lebendige Mitte der Klassik Stiftung Weimar entwickelt sich das Schloss auch zu einem Besucher-, Debatten- und Vermittlungszentrum. Spannende Geschichten, die sich vor und „hinter“ den Kulissen im Schloss abspielten, sind nach der Wiedereröffnung ebenso erlebbar wie Diskussionen über aktuelle Zeitfragen.
Weitere Infos zum Umbau findet man hier.
Johann Sebastian Bach in Weimar
Quellen:
(1) Vgl. Dr. Anselm Hartinger, Musikwissenschaftler und Musiker, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig.
(2) Vgl. Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Sebastian_Bach#Weimar_(1708–1717).
(3) Vgl. Auszug Programmheft TBW, S. 12 i. V. m. Dr. Anselm Hartinger.
(4) Vgl. Jörg Arnold, 2005, Diplomarbeit "Raumakustische Rekonstruktion der Schlosskapelle des Weimarer Residenzschlosses im Zustand von 1658 - 1774", S. 21.
(5) Vgl. Dr. Anselm Hartinger, Musikwissenschaftler und Musiker, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig.
(6) Vgl. Jörg Arnold, 2005, Diplomarbeit "Raumakustische Rekonstruktion der Schlosskapelle des Weimarer Residenzschlosses im Zustand von 1658 - 1774", S. 39-40.
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